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26.09.12

LIFE-BaltCoast: Ergebnisse

 

Für Küstenlebensräume an der Ostsee, vom Strand, seinen Wällen über Dünen bis hin-zu Lagunen und angrenzenden Salzwiesen samt ihrer typischen Flora und Fauna, geht es wieder bergauf – das ist eines der  Ergebnisse, die rund 70 Experten im Rahmen der Abschlusstagung des EU-kofinanzierten LIFE+-Projektes „BaltCoast“ am 28. August, im Atlantic Hotel Kiel präsentierten und diskutierten. In den vergangenen sieben Jahren haben Biologen und Ingenieure aus Deutschland, Dänemark, Litauen, Estland und Schweden unter der Leitung der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein die Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere in insgesamt 34 Projektgebieten, elf davon in Schleswig-Holstein, verbessert.

Im Fokus standen dabei europaweit geschützte Arten, deren bevorzugte Lebensräume entlang der Ostsee durch intensive Nutzung, Deichbau und künstliche Entwässerung verloren gehen. „Gerade Alpenstrandläufer und Kampfläufer haben sehr hohe Lebensraumansprüche“, erklärt Projektleiter Hauke Drews von der Stiftung Naturschutz. „Bei uns an der Küste sind sie seit Jahren als Brutvögel verschwunden. Aber wir haben jetzt unsere ehemaligen Brutflächen renaturiert und hoffen, dass wir auch an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste bald wieder Gelege finden.“ Das entmutigt die 15 Projektpartner jedoch nicht, denn von den so optimierten Lebensräumen profitieren auch andere, derzeit noch häufig anzutreffende Arten, unter ihnen Rotschenkel, Kiebitz und Austernfischer. Auch ihre Bestände schrumpfen seit Jahren. In Schweden, Dänemark und Estland hatten die Renaturierungsmaßnahmen mehr Erfolg: Dort werden in vier Gebieten Alpenstrandläufer und Kampfläufer wieder als Brutvögel angetroffen.

„Um den Erfolg des Projektes zu garantieren, haben wir ein ganzes Bündel von Maßnahmen auf den betroffenen Flächen in Angriff genommen“, sagt Drews. „Entscheidend war dabei, dass Ornithologen, Vegetationskundler und Amphibienexperten Hand in Hand gearbeitet haben und regelmäßig die ergriffenen Maßnahmen zur Aufwertung der Lebensräume auf ihre Effektivität überprüft haben. So konnten wir schnell und flexibel nachsteuern.“

Im Vordergrund der Arbeiten stand einmal mehr die Wiederherstellung des natürlichen Wasserhaushaltes in den Lagunenlandschaften und angrenzenden Salzwiesen. Dafür wurden mehr als 17 Kilometer Entwässerungsgräben verfüllt, künstliche Drainagen verschlossen und fünf vom Meer getrennte Lagunen wieder mit der Ostsee verbunden. Um den europaweit geschützten Kreuz- und Wechselkröten wieder Süßwasser zum Laichen auf den Küstenwiesen vorzuhalten, wurden zahlreiche Kleingewässer neu angelegt oder bestehende saniert. Parallel haben die Biologen über 100.000 selbst gezüchtete Jungkröten quasi als Anschubfinanzierung in den Projektgebieten ausgesetzt. Der Lohn ließ nicht auf sich warten: fünf neue Populationen konnten sich etablieren und weitere kleinere Populationen wurden gestützt. Damit die  Amphibientümpel nicht wieder zuwachsen und das Gelände für Brutvögel übersichtlich bleibt, haben die Partner zahlreiche Weidelandschaften eingerichtet, in denen robuste Rinder, Schafe und Konik-Wildpferde als vierbeinige Landschaftspfleger die stark wuchernde Kartoffelrose, Schilf und anderen Bewuchs kurz halten.

„Von dem Maßnahmenmix profitiert nicht nur die Natur“, weiß Drews, „denn intakte Küstenlandschaften sind auch für Touristen und Erholungssuchende attraktiv. Zu den Projektzielen gehörte deshalb auch der Aufbau eines Besucherinformationssystems mit Schautafeln, Flyern und Führungen. Bis zum Ende des Projektes im Dezember diesen Jahres wartet allerdings noch Arbeit auf die Projektleitung: Bis dahin soll ein Handbuch entstehen, damit in Zukunft auch andere Akteure einen Leitfaden haben, um die erprobten und bewährten Pflegetechniken auch an anderen Küstenabschnitten zu etablieren.

Die Eröffnungsrede von Dr. Walter Hemmerling, Geschäftsführer der Stiftung Naturschutz, gibt es hier als PDF.

Präsentationen:

  • 1-Drews-introduction to project Baltcoast-2012 (PDF)
  • 2-Grell-“Good conservation status” reachable by robust grazers for coastal habitats and typical species (PDF)
  • 3-Reinloo_Presentation_coastal_meadows_management (PDF)(PPT)
  • 4-Svendsen-Reintroduction of grazing (PDF)(PPT)
  • 5-Wanner- Ecology of Apium_repens (PDF)(PPT)
  • 6-Lütt-Establishment of reserve populations of Apium repens (PDF)(PPT)
  • 7-Beebee-Natterjack toad-ecology and management (PDF)(PPT)
  • 9-Rannap-Conservation management of natterjack  toad in Estonia (PDF)(PPT)
  • 10-Thorup-Status of ruff and dunlin (PDF)
  • 11-Piersma-Ruff conservation in NW Europe-Ruff is-back-in-NL-web (PDF)
  • 12-Ole Thorup: Management directed at ruff (Philomachus pugnax) – results from Tipperne and Saltholm, Denmark Zusammenfassung (PDF)
  • 13-Pakanen-Dunlin conservation in Finland-web (PDF)(PPT)
  • 17-Bentz-Avocet-measures in Falsterbo (PDF)
  • 18-Altemueller-Fox fences, artificial islands against predation-Results and recommendations-web (PDF)


Einen Steckbrief zum Projekt inklusive der Ergebnisse und umgesetzten Maßnahmen bekommen Sie hier als PDF.

Einen Steckbrief zur Stiftung Naturschutz bekommen Sie hier als PDF.

Eindrücke vom Seminar und der Exkursion erhalten Sie in unserer  Bildergalerie.