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Küstenlebensräume

Dieses Projekt legt seinen Fokus auf den Komplex aus Lagunen, Salzwiesen, Dünen und anderen Küstenlebensräumen. Lesen Sie hier mehr über diese Landschaften und die darin vorhandenen Arten.

Nachfolgend werden die Lebensraumtypen dieser Küstenlandschaften beschrieben. (Der verwendete Nummerncode verweist auf die EU-Habitatsrichtlinie und die dort verwendeten europaweit geltenden Codes. Mehr Informationen zur Habitatsrichtlinie erhalten Sie im Kapitel Natura 2000.)

Zur Begriffsverwirrung: Lebensraumtypen ist ein Begriff aus der FFH-Richtlinie zur Bildung des Natura 2000 Netzwerkes. Sie werden auch als Habitate (englisch: habitat) bezeichnet. Fachlich korrekt sind Lebensraumtypen nicht identisch mit Biotopen oder Biotoptypen, umgangssprachlich und vereinfachend ist der Vergleich jedoch möglich. 
Lebensraumtypen werden bei Wikipedia als “ …ein abstrahierter Typus aus der Gesamtheit gleichartiger und ähnlicher natürlicher Lebensräume…“ beschrieben  (Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Lebensraumtypen)


Wir danken dem Bundesministerium für Naturschutz (BfN) für die Erlaubnis aus ihrem Buch „Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000” zitieren zu dürfen.
Mehr dazu bei BfN:    http://www.bfn.de/0316_lr_intro.html 

Lagunen (*1150)

Lagunen sind Küstengewässer (Strandseen), die von der See abgetrennt sind. Sie können einen permanenten Zugang zum Meer haben, oder auch nur einen temporären, zum Beispiel durch Winterfluten. Manchmal besteht überhaupt keine intakte Verbindung. Diese Abtrennungen können natürliche oder anthropogene Ursachen haben. Das hat einen Einfluss auch auf die Salinität, die entweder höher oder niedriger als im Meer ist. Gewöhnlich verändert sich der Wasserspiegel während des Jahres, abhängig vom Meeresspiegel und Regenwasserzufluss. Viele Vogelarten nutzen die angrenzenden Gebiete zur Rast und zur Aufzucht. Der besondere Salzgehalt macht diese Gebiete für Tiere und Pflanzen so interessant.

Das Gebiet zwischen Wasser und Land (1110, 1210, 1220, 1310)

Die Wellen bestimmen die sich verändernde und flexible Grenze zwischen Land und Meer. Abhängig von der Intensität der Wellen verändern sie dieses Gebiet öfters, oder nur während der Wintersturmfluten. Diesen Kräften unterworfen können sich bestimmte Pflanzen und Tiere in diesem "Frontbereich" ansiedeln. Man unterscheidet zwischen:

Sandbänken, die nur leicht und selten vom Meerwasser bedeckt sind. Die Strömungen und die Wellen des Meeres führen zu einer ständigen Veränderung der Gebiete. Pflanzen siedeln hier kaum, aber Vögel finden im Sand reichlich Futter.

Der von den Wellen überspülte Strandabschnitt ist ein Gebiet für Kurzzeitspezialisten. Diese nutzen oft die Ablagerungen des Seetangs, abhängig vom Bodensubstrat (Kies oder Sand). Neben einigen wenig auffälligen Pflanzen finden hier auch Insekten wie Käfer und kleine Krebse eine kurzzeitige Heimat. Natürlich läd dieses gute Nahrungsangebot Vögel zur Futtersuche ein.

Wenn die Wellen die Gebiete nicht regelmäßig überspülen und sie nicht jeden Winter neu geformt werden, können sich mehrjährige Pflanzen etablieren, für die der Salzgehalt der limitierende Faktor ist. In diesen Gebieten sind der Meerkohl und andere seltene Arten anzutreffen.

Schlammige Senken werden gelegentlich von Pionierarten wie dem Europäischen Queller besiedelt. Charakteristisch sind regelmäßige Überspülungen, daher sind nur Salzspezialisten anzutreffen. Obwohl dieses Phänomen nur im Wattenmeer großflächig auftritt, finden wir diese Landschaftstypen kleinräumig auch an der Ostseeküste.

 

Atlantische Salzwiesen (1330)

Diese Salzwiesen sind entweder regelmäßig oder gelegentlich von Wasser überflutet. Mit diesen Bedingungen kommen nur wenige Pflanzenarten zurecht. Spezialisten für diese Gebiete sind zum Beispiel die Strand-Aster, der Strandbeifuß und das Schilf. Abhängig von der Regelmäßigkeit der Salzwasserbedeckung werden diese Flächen in obere und untere Salzwiese unterteilt. Die obere Salzwiese kann sogar besondere Ameisenkolonien und ihre charakteristischen Haufen beinhalten. Einige Vögel nutzen diese Wiesen zur Brut und Aufzucht, andere nur zum Rasten. Ein paar Insektenarten haben in den nährstoffreichen Böden oder in den Pflanzen ihren Lebensraum gefunden.

Dünen (2110, 2120, *2130, 2140, *2250)

Dünen sind von Wind und Wasser geformte Sandberge. Die Wissenschaft unterscheiden zwischen Embryonaldünen, Weißdünen, Graudünen und Küstendünen mit Wacholderbewuchs.

Charakteristisch ist die Verbindung zwischen

  • verschiedener Vegetation
  • Nährstoffgehalt und Süßwasserlinse
  • Festlegung durch zunehmende Vegetationsdecke.

Trockenhabitate (5130, *6120, *6210, 6280, *7210)

Diese verschiedenen Arten von Trockengrasland sind typisch für Schweden und die baltischen Staaten. Sie sind Indikatoren für kalkarme Böden mit geringem Niederschlag. Bei abnehmender Beweidung besteht die Gefahr der Verbuschung. Typische Arten sind Wacholder, Rosen und Schwarzdorn, aber auch Heide kann auftreten. Die Vegetationsdecke ist zumeist nicht geschlossen und bietet Samen einen offenen Boden zum Keimen an. Auch Tiere profitieren vom offenen Boden, den sie zur Überwinterung, Aufzucht oder für andere Bedürfnisse benötigen. Diese Trockengebiete sind auch der Lebensraum von besonderen Insekten wie dem Grashüpfer, der Zikade und der Wanze.